Am Wiener Theater in der Josefstadt gibt Herbert Föttinger nach über 30 Jahren seine Abschiedsvorstellung. Während sich seine Nachfolgerin Marie Rötzer in St. Pölten von ihrem Publikum verabschiedet.
Milo Rau hat vor Kurzem in Hamburg den „Prozess gegen Deutschland“ veranstaltet. Hier spricht er über eine Bühne für Peter Thiel in Wien, die AfD und über die Macht der „linken Demonstrationsgesellschaft“.
Der Auftakt zum Berliner Theatertreffen gerät zur Geduldsprobe. Kommt Wolfram Weimer? Wer hält die Rede, die Berlins zurückgetretene Kultursenatorin nicht mehr halten kann? Und dann ist auch noch das Eröffnungsstück politisch.
Sebastian Hartmann ist der Regisseur der Stunde – und einer der letzten Störer im deutschen Theaterbetrieb. Beim Taiwanesen in Dresden klagt er über Wokeness, Ideologie auf der Bühne und die „lauwarme liberale Brühe“ der Gegenwart.
Die Intellektuellen der jungen UdSSR wollten den Weltraum besiedeln und unsterbliche Menschen konstruieren. Ähnliche Fantasien haben jetzt die Tech-Milliardäre. In Hamburg werden solche Visionen auf die Bühne gebracht. Übertrifft das Theater die groteske Realität?
Jetzt wird wieder heftig diskutiert, ob deutsche Theater ihre gesellschaftliche Relevanz verloren haben. Dagegen soll der neuste Schrei helfen: Journalismus auf der Bühne. Doch die Methode „Correctiv“ verschärft die Krise nur.
Stell dir vor, der Spitzenkandidat der stärksten Partei ist der Sohn seiner eigenen Ehefrau: In München wird der Ödipuskomplex politisch. Am Ende bleiben dem Mann nur noch Mamas Stöckelschuhe.
Wer „Drei Schwestern“ inszeniert, tritt in die Fußstapfen von Theaterlegenden wie Peter Stein. In Berlin inszeniert jetzt eine Regisseurin Tschechows Stück mit größtmöglichem Abstand zur Samowar-Ästhetik. Und plötzlich versteht man das Drama ganz neu.
Von der Manosphere-Ballade bis zum „Trump-Selenskyj-Chor“: Wie bringt man das Buch, das den heutigen Präsidenten der USA 1987 zum Bestseller-Autor machte, auf die Theaterbühne? Antworten gab es jetzt in Bochum, man folgt hier Donald Trumps drei goldenen Regeln.
Liv Strömquist ist mit ihren Büchern über das neurotische Unglück unserer Zeit weltberühmt geworden. Gleich zwei Theater zeigen jetzt Stücke, die auf Strömquist-Vorlagen beruhen. Comic als Theater – funktioniert das? Unser Kritiker sieht es eindeutig.
Der gekündigte Intendant der Salzburger Festspiele wollte Karin Bergmann als Schauspiel-Direktorin haben. Nun soll sie seine Nachfolgerin werden. Die Provinzposse ist damit aber noch nicht beendet.
Kurz vor seinem Abflug nach Hollywood für den neuen „Superman“ macht Lars Eidinger an der Berliner Schaubühne Halt. Molières „Geizigen“ spielt er dort als vollendeten Boomer. Das Porträt gerät fast liebevoll.
Ressort:Kultur„Wokey Wokey“ an den Münchner Kammerspielen
Wie inszeniert eine genderkritische Regisseurin, die alles von Juli Zeh verfilmt hat und sich von Heidi Reichinneks Tattoos ästhetisch beleidigt fühlt, Orwells „1984“? Nora Abdel-Maksoud hat es sich ausgemalt. Jetzt kam ihre Kulturkampfklamotte in München auf die Bühne.
Thomas Ostermeier ist einer der erfolgreichsten deutschen Theatermacher. Jetzt bringt er „Der Geizige“ mit Lars Eidinger auf die Bühne. Molières Stück, in dem Geld und Liebe gleichgesetzt werden, passe perfekt ins Heute, sagt er. Ein Termin im Direktionsbüro.
Wer war der heute vergessene Komponist Alexander Zemlinsky, der vor den Nazis in die USA floh und auf dem Totenbett nur einen Wunsch hatte? Jetzt widmet ihm seine Heimatstadt ein Theaterstück. Auch eine zweite Inszenierung zeigt das jüdische Wien vor 1938.
Wenn selbst die Schauspieler nicht an ihr Stück glauben, wird es für den Zuschauer ungemütlich. Drei zähe Stunden lang schleppt sich die Premiere von „Wir sind noch einmal davongekommen“ dahin – und man fragt sich: Im Ernst, Burgtheater?
Endlich sei es da, das definitive Berlin-Musical. Als hätte es „Linie 1“, „Hinterm Horizont“ und so weiter nie gegeben. Nach dem Tod der Sängerin AnNa R. versucht sich Peter Plate von Rosenstolz an ihrer gemeinsamen Ost-West-Geschichte. Eine Seite kommt dabei zu kurz.
Was kann Künstliche Intelligenz im Heim? Wie wäre es mit einer anspruchsfreien Dienerin fürs Bett? Die Männerfantasie wird in Berlin und Wien auf den Theaterbühnen durchgespielt. Anhand eines Auslaufmodells.
Und zur Traumatherapie fassen sich alle an den Händen: In Freiburg stutzt Julia Rieder, Schauspielerin des Jahres, als Regiedebütantin ihren „Hamlet“ auf TikTok- statt Reclam-Maß. Dabei vergisst sie nicht nur den Helden.
Seit Jahren inszeniert sich das linksliberale Theater als Wellness-Oase der Selbstvergewisserung – und trainiert nur die Empörungsreflexe seines Publikums. Das Ergebnis: viel Gratismut, wenig Erkenntnis. Der Gewinner steht auf der anderen Seite.
Zwei deutsche Theater verhandeln grundsätzliche Probleme der Gegenwart: Es geht um den Umgang mit Rechten. Während alles nach Hamburg schaute, kam es in einer anderen Stadt zu einer einzigartigen Eruption von Wut und Gewalt des Publikums.
Die Lessing-Tage in Hamburg gehen mit einem Theater-Spektakel zu Ende, bei dem Kontroversen programmiert sind. Milo Rau inszeniert einen „Prozess“ gegen Deutschland und die AfD. Gibt es wieder Sprechchöre gegen „Faschismus“ aus dem Publikum?
Ganz schön hart, was die Schaubühne den zartbesaiteten Berlinern mit ihrer „Salome“ zumutet. Der Gutmensch will mit solchen Weibern nichts zu tun haben? Er wird geköpft. Und die Moral? Hat immer einen Haken.
Dreieinviertel Stunden lang beschwören Albert Ostermaier und Ersan Mondtag am Residenztheater vergeblich die Schwabylon-Ära. Auch Brigitte Hobmeier rettet die Münchener Klaus-Lemke-Gala nicht. Dann lieber Veitshöchheimer Frankenfasching.
Wer gibt sich als Jude aus, obwohl er keiner ist? Das Theaterstück „Fake Jews" sucht am Deutschen Theater Berlin die Spuren von Fabian Wolff und anderen Hochstaplern.
Mit René Pollesch veränderte Fabian Hinrichs vielleicht nicht die Welt, aber auf jeden Fall das Theater. Daran knüpft der „Tatort“-Star jetzt zusammen mit seiner Frau an – und zeigt großes Weltschmerztheater, eine Performance der Verzweiflung und der Ratlosigkeit.
„Himmlisch schön ist es ja, zu Fuß zu gehen“, schrieb er – und lag bei seinem letzten Spaziergang tot im Schnee. In Wien holen sie Robert Walser zurück, auf die Bühne. Wusste er, wer schuld ist an dem ganzen Elend?
Mit dem Stück „Publikumsbeschimpfung“ schrieb Peter Handke vor 60 Jahren Theatergeschichte. Die Schimpfwörter von damals triggern heute kaum noch. Aber die Neuinszenierung verrät etwas anderes über die heutige Zeit.
Jedes Jahr einigt sich eine siebenköpfige Jury auf die zehn Inszenierungen für das Berliner Theatertreffen. Die diesjährige Top-Ten überrascht durch ihren hohen Anteil populärer Stoffe – und einen älteren Regisseur, der gleich zweimal vertreten ist.
Der Schauspieler Samuel Koch sitzt seit seinem Unfall im Live-TV vor 15 Jahren im Rollstuhl. Jetzt spielt er Schillers Wallenstein – ein existenzielles Theatererlebnis. Seine Haltung zu Körperlichkeit, Abhängigkeit und Inklusion ist radikal.
Ob Superstars im Rampenlicht, die Wiederkehr der Klassiker, große Sehnsuchtsstoffe oder Debattenmaterial: Das neue Jahr bietet reichlich Gründe zur Vorfreude – jedenfalls in der Kultur.