An der Opéra Comique in Paris kommt „Lucia di Lammermoor“ von Gaetano Donizetti zur Aufführung. Erstmals seit 55 Jahren wird dabei auf Französisch gesungen und aus Lucia wird Lucie. Das hat auch operngeschichtlich seine Richtigkeit und ist ein Fest.
Der Komponist Albert Lortzing gehört zum nationalen Musikerbe. Doch warum wissen deutsche Opernhäuser so wenig mit ihm anzufangen? Jüngstes Beispiel: zwei Premieren in Leipzig. Nur eine hat Lortzing verstanden.
In Heidelberg ist gerade ein im kürzungswütigen Deutschland inzwischen seltenes Kulturmärchen wahr geworden. Das spürt man in der renovierten Stadthalle – und das beweist der 29. Jahrgang des Heidelberger Frühlings. Viel verdankt man hier einem Ehrenbürger der Stadt.
In Frankfurt gefriert „Turandot“ zur Parabel aus Bürokratie, Gewalt und Einsamkeit. Regisseurin Andrea Breth und Dirigent Thomas Guggeis nehmen Puccinis Oper jeden dekorativen Exotismus. Das ist eindrücklich. Und schrecklich.
Schumann, Bartók, Zemlinsky: Tobias Kratzer verknüpft an der Hamburgischen Staatsoper einen Liederzyklus und zwei Einakter zu „Frauenliebe und -sterben“. Hat das den Zeitgenossen von Gisèle Pelicot noch etwas zu sagen?
Salzburg wäre so gerne Weltstadt. Doch der in aller Öffentlichkeit ausgetragene Streit um die Festspielleitung ist ein Paradebeispiel mutwilliger Selbstbeschädigung. Die nun gefundene Interimslösung kennt nur Verlierer.
Der gekündigte Intendant der Salzburger Festspiele wollte Karin Bergmann als Schauspiel-Direktorin haben. Nun soll sie seine Nachfolgerin werden. Die Provinzposse ist damit aber noch nicht beendet.
Wer kam eigentlich auf die Idee, ernste von unernster Musik zu trennen? Noch dümmer war aber die Idee, sie wären gleich. Jetzt geht es dabei nicht mehr nur um zwei Kulturen, sondern um viel Geld.
Es muss nicht immer Verdi oder Wagner sein. Ein viel zu selten aufgeführtes Meisterwerk ist gerade in Zürich zu sehen. Warum auch Rameau in Genf ziemlich modern aussieht – und was das Geheimnis guter Barockopern ist.
Die Osterfestspiele in Baden-Baden haben sich verjüngt – und können musikalisch auf ganzer Linie überzeugen. Mit Deutschlands berühmtester Operndirigentin und dem wohl meistgefragten jungen Orchesterleiter.
Bachs „Johannespassion“ wurde schon hundertfach eingespielt, aber in solcher Vollendung war sie noch nie zu hören. Raphael Pichon und sein Pygmalion Ensemble überbieten all ihre Vorgänger. Ihre Passion ist schlicht eine Sensation.
Im Vorfeld von Verdis „Un ballo in maschera“ an der Berliner Staatsoper gab es einen Diven-Krieg um Kleinigkeiten. War es das wert? Für das Scheitern des großen Netrebko-Events ist vor allem eine Person verantwortlich.
Der langjährige Chef der Salzburger Festspiele muss gehen. Für die Nachfolge werden viele Namen diskutiert. Doch entweder sind sie vertraglich gebunden oder einfach nicht so gut wie Vorgänger Markus Hinterhäuser. Und nun?
40 Jahre nach Theo Adams Märchenfassung hat die Dresdner Semperoper einen neuen „Parsifal“. Diesseitiger, aber auch didaktischer. Am Ende öffnet sich sogar ein Fenster zur täglichen Realität.
Russland cancelt heute sogar seine Volkshelden. In Moskau wurde „Nurejew“ als zu schwul abgesetzt. Jetzt feierte die Ballett-Biografie des größten Tänzers aller Zeiten in Berlin eine umjubelte Premiere. Aber wie tanzt man Rudolf Nurejew?
Warum ist Clémence de Grandval als Komponistin heute fast vergessen? Wieso wird Édouard Lalos schönste Oper kaum noch gespielt? In Dortmund und Straßburg gibt es eine ganz eigene Romantik zu entdecken.
Salzburg feuert seinen Intendanten, Boston verjagt Dirigent Andris Nelsons, und in Venedig wird eine Meloni-Freundin untertänig als Chefdirigentin akzeptiert. Die Managerklasse unterwirft den Klassikbetrieb.
Immer stärker verdrängen die Partituren für „Herr der Ringe“ und „Harry Potter“ die von Händel und Mozart aus den Programmen der Konzertsäle und Musikschulorchester. Damit hofft man, junges Publikum für Klassik zu begeistern. Ein Trugschluss.
An der Hamburgischen Staatsoper schießen Regisseur Christoph Rüping und Chefdirigent Omer Meir Wellber den armen Mozart ins All. „Nett“, hätte man gesagt – wäre der Abend ein Projekt der Opern-AG Gesamtschule Poppenbüttel.
Dreimal Händel, doch nur einmal echter Festspielglanz: Karlsruhe führt die Händel-Festspiele mutig in die Zukunft. Jetzt folgen Göttingen und Halle –mit bescheidenem Etat und Personalproblemen.
Markus Hinterhäuser steuerte die Salzburger Festspiele durch die Pandemie, er ist künstlerisch und wirtschaftlich erfolgreich – und steht als Intendant jetzt dennoch vor dem Aus. Die Situation der Festspiele? Plötzlich prekär.
Alle engagieren ihn, niemand kennt ihn wirklich. Der neue Frontmann des Deutschen Symphonie-Orchesters ist freundlich, präzise, unauffällig. Sein Ziel sollte sein, in Berlin eine erkennbare Handschrift zu entwickeln.
Wirtschaftlich florieren die Salzburger Festspiele unter ihrem Leiter Markus Hinterhäuser, doch sein Hang zum Alleingang liefert Angriffsflächen für Kritik. Eine angebliche Führungskrise ist aber nur Ausdruck politischer Nervosität.
Sein Großvater war Grubenarbeiter, er spielte bei Olympia in Paris auf einem brennenden Flügel. Sofiane Pamart hat sich aus dem Kohlerevier an die Spitze gespielt, zunächst mit Rap, heute mit Klassik. Hier verrät der französische Superstar seine Erfolgsformel.
Die Operette gilt als das altmodischste Bühnengenre. Doch in ganz Deutschland werden jetzt ihre vergessenen Schätze wieder gehoben – oft mit Rollentausch der Geschlechter. Besonders tut sich dabei der Osten hervor.
Wer heute die rätselhaft schöne Musik des eigenwilligen Extremisten hört, könnte glatt gläubig werden. Bach bewunderte ihn ebenso wie die Musikwelt des Barock. Dann wurde Jan Dismas Zelenka vergessen.
Sogar Bayern lesen „Faust“ nicht mehr im Goethe-Original, sondern nehmen stattdessen eine vereinfachte Version. Aber Gounods Oper klingt wenigstens so schön, dass einst Pariser Gassenjungen ihre Arien pfiffen. Der Klang ist auch jetzt in München nicht das Problem.
Stardirigent Teodor Currentzis gibt endlich sein Debüt an der Griechischen Nationaloper. In Athen wird seine Rückkehr in die alte Heimat zum Ereignis. Und allein der spektakuläre Opern-Neubau von Renzo Piano wäre die Reise wert.
Er wirkt wie ein Computergeek, doch Damiano Michieletto ist Europas meistbeschäftigter Opernregisseur. Jetzt gestaltet er auch noch die Eröffnung der Olympischen Winterspiele – mit Mariah Carey, Andrea Bocelli, Cecilia Bartoli und Lang Lang. Eine Begegnung.
Eine Nobelpreisträgerin, eine hochgerühmte Komponistin, ein dirigierender Intendant, ein gigantischer Kostümaufwand – bei der Opern-Uraufführung „Monster’s Paradise“ in Hamburg wurde geklotzt. Ob es sich gelohnt hat, weiß unserer Kritiker.
Diese Oper beruht auf einer wahren Geschichte: 1794 kamen Karmeliterinnen in Paris unter die Guillotine, weil sie sich weigerten, ihrem Glauben abzuschwören. Wie Dresden das fast ohne Stars in Szene setzt – und punktet.