Ukraine-Krieg

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat gestern Abend zahlreiche Verstöße Russlands gegen die von Kiew ausgerufene Feuerpause beklagt. Bisher antworte Russland auf den Vorschlag einer Waffenruhe nur mit neuen Schlägen und Attacken, sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft. „Abhängig von der Lage heute Abend und morgen werden auch wir unsere völlig angemessene Antwort festlegen“, sagte er.

Russland habe ein klares Angebot bekommen und wisse, wie die Ukraine oder deren Partner für Detailfragen zu erreichen sei, sagte er. Damit gab er der Feuerpause noch eine zweite Chance.

Zugleich machte er deutlich, dass die Ukraine kein Interesse an der von Russland verkündeten Waffenruhe rund um die Feierlichkeiten zum Tag des Sieges am 9. Mai habe. Wenn es nur darum gehe, dass Kremlchef Wladimir Putin ungestört seine Militärparade abhalte, werde das noch gültige Angebot für eine Waffenruhe nicht aufrechterhalten, sagte er.

Zustandekommen einer Feuerpause weiter unklar

Putin hatte Ende April bei einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump über die Möglichkeit einer Waffenruhe zu den Feierlichkeiten am 9. Mai gesprochen. Später verkündete das russische Verteidigungsministerium eine zweitägige Feuerpause, die in der Nacht zum Freitag in Kraft treten soll. Kiew beantwortete dies mit dem Vorschlag, die Waffen bereits ab dem 6. Mai schweigen zu lassen. Moskau hat diese Offerte bislang ignoriert.

Dafür wiederholte Russlands Außenministeriumssprecherin Maria Sacharowa einmal mehr Drohungen im Falle eines ukrainischen Angriffs auf die Militärparade in Moskau.

Sie rufe alle ausländischen Diplomaten auf, Kiew rechtzeitig zu verlassen. Sollte die Ukraine versuchen, die Feierlichkeiten mit terroristischen Attacken zu stören, werde Russland darauf mit einem Gegenschlag antworten, „darunter auch gegen die Entscheidungszentren in Kiew“, sagte Sacharowa in einem Kommentar, den sie auch bei Telegram veröffentlichte.

Krieg in Nahost

Frankreich verlegt in Vorbereitung einer neutralen Marinemission in der Straße von Hormus seinen Flugzeugträger Charles de Gaulle und dessen Begleitschiffe näher an die Meerenge heran. Der Schiffsverband habe den Suezkanal passiert und Kurs auf das südliche Rote Meer genommen, teilte das Verteidigungsministerium gestern in Paris mit.

Flugzeugträge Charles De Gaulle
Reuters/Stefanos Rapanis (Archivbild)

Frankreich und seine Partner seien nach Angaben des Präsidialamtes in der Lage, die Sicherheit in der Straße von Hormus zu gewährleisten. Die Regierung in Paris wolle nach Angaben aus dem Elysee-Palast, dass das Thema getrennt von den aktuellen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran behandelt werde. Die Verlegung der französischen Schiffe habe nach Angaben vom Verteidigungsministerium auch nichts mit der militärischen Konfrontation zwischen den USA, Israel und dem Iran zu tun.

Mit der Verlegung des Kampfverbandes um den Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ in Richtung des Golfs von Aden solle die Zeitspanne zur Umsetzung der unter Führung von Frankreich und Großbritannien vorbereiteten Marinemission verkürzt werden, die nach einem Ende der Kampfhandlungen beginnen soll. Ziel der multinationalen Mission ist es, Handelsschiffe bei der Fahrt durch die für den Welthandel wichtigen Meerenge zu begleiten und abzusichern. Mehr als 40 Länder haben ihre Unterstützung zugesichert.

Erstmals seit Beginn einer Waffenruhe vor drei Wochen haben die israelischen Luftstreitkräfte gestern wieder in einem Vorort der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen. Ziel sei ein Kommandant der Radwan-Einheit der libanesischen Hisbollah-Miliz gewesen, hieß es in einer Mitteilung des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und des Verteidigungsministers Israel Katz. Man habe ihn dabei „eliminieren“ wollen.

„Die Radwan-Kämpfer unter seiner Führung waren verantwortlich für Beschuss israelischer Ortschaften und Angriffe auf israelische Soldaten“, hieß es weiter in der Mitteilung. „Kein Terrorist genießt Immunität – die lange Hand Israels wird jeden Feind und Mörder erreichen.“ Ziel sei es, die Sicherheit der Bevölkerung Nordisraels zu gewährleisten.

Täglich gegenseitige Angriffe

Obwohl offiziell eine Waffenruhe zwischen der Hisbollah und Israel gilt, kommt es weiterhin täglich zu gegenseitigen Angriffen. Seit Anfang März hatte sich der Konflikt im Zuge der regionalen Eskalation erneut deutlich verschärft, nachdem Raketen aus dem Libanon abgefeuert worden waren. Israel reagierte darauf mit Luftangriffen und Bodeneinsätzen im Südlibanon, begleitet von schweren Gefechten im Grenzgebiet.

Ausland

Nach einer mehrstündigen Befragung vor dem US-Parlament zu seinen Kontakten mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ist Handelsminister Howard Lutnick gestern von Demokraten heftig attackiert worden. Mehrere Abgeordnete warfen dem Minister vor, die Öffentlichkeit über sein Verhältnis zu Epstein belogen zu haben. Sie forderten seinen Rücktritt.

Ein Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses soll das Missbrauchsnetzwerk des 2019 verstorbenen Finanzinvestors Epstein politisch aufarbeiten. Die Untersuchung soll unter anderem klären, wie er zu Einfluss und Reichtum gelangte und welche Netzwerke ihn möglicherweise schützten.

Aus Anfang dieses Jahres veröffentlichten Akten geht hervor, dass Lutnick länger zu Epstein Kontakt hatte, als er zuvor angab. Bei einer Senatsanhörung räumte Lutnick dann ein, er habe Epsteins Karibik-Insel 2012 – und damit Jahre nach dessen Verurteilung im Jahr 2008 – während eines Familienurlaubs besucht. Straftaten habe er dabei nicht beobachtet, sagte er und bestritt jegliches Fehlverhalten.

Demokraten: Aussagen ergeben „überhaupt keinen Sinn“

Der demokratische Abgeordnete Ro Khanna sagte zu der Befragung, Lutnick habe versucht, frühere Aussagen, wonach er nach einem Treffen 2005 nie wieder mit Epstein in einem Raum sein wollte, umzudeuten: „Er versuchte, das Wort ‚ich‘ so umzudeuten, als habe er eigentlich gemeint, er werde Epstein nicht allein treffen – es sei aber völlig in Ordnung, wenn seine Frau und seine Kinder Epstein sehen. Das ergab überhaupt keinen Sinn.“

Die Demokratin Yassamin Ansari sprach von einer „der ungeheuerlichsten Vertuschungen der amerikanischen Geschichte“. Lutnick habe behauptet, vor seinem Besuch auf der Insel nichts von den Straftaten gewusst zu haben.

Ausschusschef James Comer, ein Republikaner aus Kentucky, räumte vor Beginn der Anhörung ein, Lutnick sei „nicht hundertprozentig ehrlich“ gewesen, was seine Aufenthalte auf Epsteins Insel angehe. Zugleich betonte Comer, er habe bisher „kein Fehlverhalten“ in den bekannten E-Mails zwischen Lutnick und Epstein gesehen.

EU

Beim Coronavirus-Aufbaufonds der EU, der Aufbau- und Resilienzfazilität (ARF), ist nicht immer klar, was mit den ausgezahlten Geldern tatsächlich geschieht: Laut einem gestern veröffentlichten Bericht des Europäischen Rechnungshofs (ERH) gibt es nur unzureichende Informationen zu Empfängern, tatsächlichen Kosten und erzielten Ergebnissen des 577 Milliarden Euro schweren Fonds.

Die Kritik kommt zu einem kritischen Zeitpunkt: Derzeit wird das nächste mehrjährige EU-Budget 2028–2034 verhandelt. Die Kommission will das Budget mittels neuer nationaler und regionaler Partnerschaftspläne in Anlehnung an die Prinzipien des CoV-Fonds mit Zielen und Meilensteinen zur Verteilung der Gelder neu organisieren. Widerstand dagegen gibt es bereits von vielen Seiten, etwa von Vertretern der Regionen oder der Landwirtschaft sowie des EU-Parlaments.

Mängel auch in Österreich

Auch in Österreich wurden Mängel bei der Meldung der tatsächlichen Kosten festgestellt. Das österreichische ARF-Managementinformationssystem (Transparenzdatenbank), das auch für andere Fonds genutzt wird, enthält die Daten für einen Vergleich der tatsächlichen mit den veranschlagten Kosten der im Plan vorgesehenen Maßnahmen.

Die Angaben zu den tatsächlichen Kosten werden jedoch nicht für diesen Zweck herangezogen, da die österreichischen Behörden sie angesichts des leistungsorientierten Charakters des ARF nicht für relevant halten, heißt es im ERH-Bericht.

Inland

Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zur Causa Christian Pilnacek hat sich gestern der Befragung weiterer Ermittler gewidmet. Zu Wort kam jener Kriminalbeamte, dem vorgeworfen worden war, persönliche Gegenstände bei der Vertrauten des Justizsektionschefs abgeholt und an den Anwalt der Witwe übergeben zu haben, anstatt diese als Beweismittel sicherzustellen.

Der Ermittler hatte gemeinsam mit einem Kollegen am Tag der Auffindung der Leiche Pilnaceks unter anderem dessen Handy und Autoschlüssel sowie weitere Gegenstände abgeholt, was mittlerweile eingestellte Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs zur Folge hatte.

Polizist: „Konstruierte Vorwürfe“

Vor dem U-Ausschuss verteidigte der Beamte das Vorgehen, da diese aus kriminalpolizeilicher Sicht keine Beweismittel gewesen seien. Ein Suizid Pilnaceks stand für ihn nämlich „außer Zweifel“. Wasserleichen gehörten „zum täglichen Geschäft“ des Landeskriminalamts Niederösterreich.

Ebenso wehrte sich der Chefermittler in seinem Eingangsstatement gegen „konstruierte Vorwürfe“. So habe man von den mit Pilnacek damals im selben Haus wohnenden Frauen weder Gegenstände gefordert noch sichergestellt.

Vielmehr hätten die Mitbewohnerinnen „eigeninitiativ“ gefragt, was mit den Gegenständen geschehen soll und die Beamten ersucht, die Objekte an Pilnaceks Witwe zu übergeben. Der Bitte kamen die Beamten nach, da diese „nicht polizeilich relevant“ gewesen seien.

Die darauffolgenden Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) seien für den Mann „persönlich sehr belastend und prägend“ gewesen. Etwas wie politische Einflussnahme auf die Ermittlungen – eigentlich die Kernfrage des U-Ausschusses – bestritt der Beamte. Auch sei diesbezüglich an ihn kein Vorgesetzter herangetreten.

Ermessen der Beamten

Zuvor befragten die Abgeordneten einen Oberstaatsanwalt, warum am Vorhabensbericht der WKStA, in dem die Einstellung der Ermittlungen gegen die Beamten empfohlen wurde, zahlreiche Korrekturen vorgenommen wurden. Zwar habe er das Ergebnis geteilt, die Begründung sei aber rechtlich in gewissen Punkten falsch gewesen, sagte er.

Gefehlt habe die Rechtsfrage zum Befugnismissbrauch. Denn laut Strafprozessordnung liege es im Ermessen der Beamten, ob sie im Handy eine kriminalpolizeiliche Relevanz erkennen. Wenn wie im konkreten Fall die Arbeitshypothese Suizid laute, dann seien die letzten Kontakte am interessantesten, diese hätte man mit den Aussagen der Vertrauten und deren Mitbewohnerin bereits gehabt. Eine Sicherstellung wäre aus seiner Sicht aber zulässig gewesen.

Befragter: Keine Fehler der Staatsanwaltschaft Krems

Zur Frage, warum das Verfahren zum Tod Pilnaceks der Staatsanwaltschaft Krems von der Oberstaatsanwaltschaft entzogen und an die Staatsanwaltschaft Eisenstadt übertragen wurde, sagte der Oberstaatsanwalt, dass es keine Fehler der Staatsanwaltschaft Krems gegeben habe.

Diese sei allerdings infolge von Medienberichten derart unter Beschuss geraten, dass eine „Anscheinsbefangenheit“ bestanden habe, so die Auskunftsperson, die betonte, selbst erst seit 11. Februar 2025 für den Fall zuständig zu sein. In einer Weisung habe aber ein Kollege von „renitentem“ Verhalten der Kremser geschrieben. Man sei dort „angefressen“ gewesen.

Witwe will Öffentlichkeit ausschließen lassen

Morgen sind dann Befragungen des Chefs des Landeskriminalamts NÖ, Stefan Pfandler, sowie von Pilnaceks Witwe Caroline List, Präsidentin des Landesgerichts für Strafsachen Graz, angesetzt.

Fraglich ist allerdings, wie ergiebig ihre Befragung wird. Lists Anwalt beantragte den Ausschluss der Öffentlichkeit. Sollte das nicht gelingen, will List Fragen zu ihrem Privatleben sowie die Berichterstattung darüber untersagen lassen. Seit dem Tod ihres Mannes wehrt sie sich gegen Spekulationen.

Die Bundesregierung hat gestern wie erwartet den früheren NEOS-Politiker Gerald Loacker als österreichisches Mitglied für den Europäischen Rechnungshof (EuRH) in Luxemburg nominiert.

Der 52-Jährige übernimmt den Posten von Helga Berger, die sich bei ihrer erneuten Bewerbung nicht durchsetzen konnte. Der ursprünglich erstgereihte Helmut Berger, langjähriger Leiter des Budgetdiensts im Parlament, hatte aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen. Die Nominierung sorgte nicht nur für Kritik der Opposition, sondern auch für einen Schlagabtausch zwischen den Koalitionsparteien ÖVP und NEOS.

Vorschlagsrecht bei NEOS

Das Vorschlagsrecht für den Posten kam gemäß Koalitionsabkommen NEOS zu. Wie deren Generalsekretär Douglas Hoyos betonte, seien die von einem (nicht näher genannten) ÖVP-Ministerium, bei dem die Bewerbungen eingelangt seien, als am besten geeignet eingeschätzten Bewerberinnen und Bewerber weitergeleitet und einem Hearing unterzogen worden.

Ex-NEOS-Politiker Gerald Loacker
ORF/Roland Winkler (Archivbild)
Loacker im Nationalrat

ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti erklärte später dagegen, es sei lediglich die „Liste aller Bewerberinnen und Bewerber, die den formalen Kriterien entsprochen haben“, weitergeleitet worden.

Im Hearing wurde Helmut Berger vor Loacker, dem ehemaligen NEOS-Sozialsprecher im Parlament, auf Platz eins gereiht. Helga Berger kam nur an die dritte Stelle.

Empörung der ÖVP

Dass Berger nun auch beim EU-Rechnungshof nicht (mehr) berücksichtigt wird, empörte die Volkspartei. „Eine qualifizierte, erfahrene Frau unterliegt im Hearing. Ein Parteigünstling wird inthronisiert“, zitierte die „Kronen Zeitung“ ÖVP-Generalsekretär Marchetti dazu.

Für Hoyos ist das „ein falsches Spiel“, sei doch Helmut Berger an erster Stelle gestanden und Loacker nur nach dessen gesundheitlich bedingtem Verzicht nachgerückt. Marchetti reagierte wiederum in einer Aussendung mit Verweis auf die drittgereihte Helga Berger: „Ob und wie die NEOS argumentieren können, eine qualifizierte Frau mit langer Erfahrung einem Parteifunktionär nachzureihen, müssen die NEOS selber entscheiden.“

Kritik von FPÖ und Grünen

Kritik an der Nominierung übte auch die Opposition, die FPÖ direkt an NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger. „Wo war das öffentliche Hearing, Frau Meinl-Reisinger, das Sie bei jeder anderen Partei so lautstark einfordern“, fragte der freiheitliche Generalsekretär Michael Schnedlitz. „Die Maske ist gefallen und zum Vorschein kommt die hässliche Fratze der Günstlingswirtschaft, die Sie bei anderen immer so lautstark angeprangert haben.“

NEOS hätte jahrelang Transparenz und objektive Verfahren bei Besetzungen öffentlicher Spitzenpositionen eingefordert, sagte auch die stellvertretende Grünen-Klubobfrau Sigrid Maurer. Dass nun ein ehemaliger NEOS-Abgeordneter ohne öffentliches und transparentes Verfahren in dieses Amt gehievt werde, zeige: „Die Transparenzversprechen der NEOS sind Schall und Rauch.“

„In höchstem Ausmaß geeignet“

In den Ministerratsprotokollen heißt es, dass Loacker „in höchstem Ausmaß geeignet“ sei. Der entsprechende Vortrag wurde formal vom Kanzleramt eingebracht. Helga Bergers Amtszeit läuft Ende Juli aus.

Wirtschaft

Der teilstaatliche Energiekonzern OMV investiert 65 Millionen Euro in den Bau eines Innovationszentrums in Österreich. Der Baufortschritt des OMV Innovation Hub Schwechat („Hub“) liege bei 55 Prozent, wie das Unternehmen gestern mitteilte. In der ersten Hälfte 2027 soll es in Betrieb genommen werden.

Auf einer Fläche von rund 8.120 Quadratmetern entstehe unter anderem ein Campus mit 50 Arbeitsplätzen, Laboren sowie einem Technikum mit Platz für bis zu 15 Testanlagen, hieß es.

Chronik

Der Siebenfachjackpot bei Lotto „6 aus 45“ ist geknackt: Nach der gestrigen Ziehung gibt es vier Sechser zu je 2.113.437,4 Euro.

Es wurden folgende Gewinnzahlen von Lotto „6 aus 45“ ermittelt:

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Alle Angaben ohne Gewähr

Kultur

Die russische Punkband Pussy Riot schloss sich gestern Mitgliedern der ukrainischen feministischen Organisation Femen bei einer Protestaktion auf der Biennale von Venedig gegen die Eröffnung des russischen Pavillons an.

Unter einer Wolke aus rosa, blauem und gelbem Rauch skandierten die Anti-Putin-Feministinnen „Russlands Kunst ist Blut“ und „Ungehorsam“ und bedeckten ihre Gesichter mit rosa Sturmhauben, bevor sie den Veranstaltungsort im Ausstellungsbereich Giardini stürmten.

Pussy Riot Protest bei er Biennale
IMAGO/Independent Photo Agency Int./Francesca Vieceli

Pussy-Riot-Gründerin Nadja Tolokonnikowa sagte, die einzige russische Kunst, die gezeigt werden sollte, stamme von Dissidenten und Dissidentinnen, die „wegen meist lächerlicher Anschuldigungen“ inhaftiert seien. „Diese Menschen machen Kunst, und ich möchte, dass diese Kunst Russland repräsentiert, denn sie repräsentieren das wahre Gesicht Russlands“, sagte sie.

Biennale-Leiter beklagt „Rufe nach Zensur“

Biennale-Leiter Pietrangelo Buttafuoco verwahrt sich gegen Kritik an der Teilnahme Russlands und wirft seinen Kritikern und Kritikerinnen Intoleranz vor. Es habe hitzige Diskussionen, Ausschlussforderungen und Stellungnahmen gegeben, die oft dem Zuhören vorausgegangen seien, beklagte Buttafuoco.

Er beklagte „eine Werkstatt der Intoleranz und der Rufe nach Zensur, nach Zensur und Ausschluss“. Man sei nicht blind gegenüber Diskriminierung, Gewalt und Krieg, betonte Buttafuoco. Aber: „Sich jemandem zu verschließen, bedeutet, die Öffnung gegenüber anderen zu schwächen. (…)“

Kritik vom Kulturminister

Italiens Kulturminister Alessandro Giuli hatte dem Biennale-Präsidenten zuletzt vorgeworfen, mit der Wiederzulassung von Russland zu der sechsmonatigen Ausstellung Nebenaußenpolitik betreiben zu wollen und damit gescheitert zu sein. „Er ist Opfer einer pazifistischen Fantasie geworden“, sagte kürzlich Giuli der Zeitung „La Repubblica“.